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Was ist ein Schürreskarrenrennen

Bei einer Schürreskarre handelt es sich um eine alte komplett aus Holz gebaute Schubkarre, wie sie früher in der Landwirtschaft, auf Bauernhöfen, aber auch im privaten Bereich genutzt wurde um schwere Lasten fort zu bewegen. Über die Entstehung des Schürreskarrenrennens kann man nur mutmaßen, da nirgendwo etwas niedergeschrieben steht, wie es entstanden ist. Selbst das "Amt für Rheinische Landeskunde" in Bonn hat in Schürreskarren1seinen riesigen Archiven keinen Hinweis darauf. Es bleibt festzustellen, daß es sich um eine Tradition handelt, die wohl nur im rechtsrheinischen. Bergischen Land beheimatet ist. Es wird behauptet, der Brauch käme aus den Maispielvereinen und wäre Anfang des Jahrhunderts entstanden. Die damaligen "Maiherrscher" oder "Maikönige" durften von ihrem Volk als Zeichen der Ehrerbietung eine Gabe fordern.

So soll einer dieser "Herrscher" von seinen Untergebenen
je eine Karre Mist oder Stroh gefordert haben. Nach einem kräftigen Frühschoppen, wonach einige nicht mehr in der Lage waren aus eigener Kraft den Heimweg anzutreten, legte man sie einfach auf die dort stehenden Karren und fuhr sie nach Hause. Eine andere Vermutung lautet, daß die Ehefrauen ihre besoffenen Männer nach dem ausgiebigen Kirmesfrühschoppen mit der Schürreskarre nach Hause gebracht haben. Wie auch immer, es sind alles nur Vermutungen. Nun zum Rennen selbst. Eine Person transportiert eine Zweite, die auf dieser Holzkarre sitzt, über eine vorher festgelegte Wegstrecke. Hierbei sind einige Holzwippen zu überqueren. Bei uns in Forsbach, wo man die Waldbeerkirmes (im Volksmund: "Worbelskirmes") am ersten Wochenende im Juli feiert, müssen die Teilnehmer auf halber Strecke einen Waldbeerpfannkuchen von einem Teller essen, ohne die Hände zur Hilfe zu nehmen.
 

DSchürreskarren2enkt man an die färbende Wirkung dieser Frucht, kann man sich ausmalen wie anschließend die Gesichter der Akteure aussehen. In den letzten Jahren mußte man in Forsbach auch Geschicklichkeitsspiele mitmachen, die meistens mit Wasser zu tun haben. Das Schürreskarrenrennen findet traditionell am Kirmesmontag statt, was dazu führt, daß der Kirmesplatz am Montagmittag immer reichlich von Besuchern gefüllt ist. Eine weitere Tradition wurde beibehalten, es folgt ein kräftiger Frühschoppen. Mit den Jahren hat sich vom normalen Rennen, in dem es um Zeit geht, in Forsbach eingebürgert, daß man etwas aus den lokalen Geschehnissen aufgreift, und das zum Thema nimmt, um Politiker, Bürger oder Ereignisse durch den Kakao zu ziehen oder darauf hinzuweisen. Hierzu wird auf die Schürreskarren ein zum Thema passender Aufbau angebracht, ähnlich wie im Karneval. Das ist nicht immer ganz einfach, da an diesen Holzkarren nichts festgeschraubt oder festgenagelt werden darf, um die Karren nicht zu beschädigen.

So gibt es auch einen Wanderpokal für die beste Idee und die Ausführung. Die Sieger werden vom Volk ermittelt, welches vor Beginn des Rennens Stimmzettel erhält und diese ausgefüllt in eine Stimmbox hineinwerfen. Weiterhin gibt es für die Spiele für jede Mannschaft noch Sachpreise um ein kleinen Anreiz zu schaffen an diesem Spektakel teilzunehmen. Die Holzschubkarren werden vom "Club des Frohsinns" für das Rennen zur Verfügung gestellt und anschließend wieder gut gelagert um sie noch lange Jahre in Ordnung zu halten. Da nicht mehr sehr viele Karren vorhanden waren, hat man in den vergangenen Jahren, auch mit Hilfe von Sponsoren, einige neue Karren in Bayern und im Schwarzwald anfertigen lassen um den Bestand zu sichern. Die Kunst, solch eine Karre zu bauen, ist nicht mehr weit verbreitet, da die Berufe "Wagner" oder "Stellmacher" mittlerweile fast ausgestorben sind. Wir würden uns freuen "Sie" auf unserer nächsten Worbelskirmes begrüßen zu dürfen.
 

 

Verfasser K.D. Wilm